Tarifvertrag für Lehrer - dbb sachsen-anhalt: Vertretbarer Kompromiss

Die dbb tarifunion, GEW und das Land Sachsen-Anhalt haben am 30. Oktober 2007 in Magdeburg einen neuen Tarifvertrag zur Arbeitsplatzsicherung an allgemeinbildenden Schulen paraphiert, der für die rund 11.000 tarifbeschäftigten Lehrkräfte an Grundschulen, Sekundarschulen, Gymnasien und Förderschulen gilt. Er beinhaltet eine schrittweise Wiederanhebung der angesichts zurückgehender Schülerzahlen seit 1997 praktizierten Reduzierung von Arbeitszeit und Gehalt der angestellten Lehrkräfte und im Gegenzug seitens des Landes Kündigungsschutz bis 2012 sowie die Verpflichtung, darüber hinaus keine Arbeitszeiterhöhungen vorzunehmen.

Die Lehrkräfte an den Förderschulen werden nun schon 2008/09 wieder in Vollbeschäftigung übergehen, für die Grundschulen endet die tariflich zwingende Teilzeit mit dem Schuljahr 2009/10. Für die Sekundarschulen, Gesamtschulen und Gymnasien wurde eine kontinuierliche Steigerung des Arbeitsumfangs von jährlich einer Unterrichtsstunde bis 2011/12 vereinbart, über die Stufen 84, 88, 92 und 96 Prozent kommen auch sie wieder zur Vollbeschäftigung. Hinzu kommt ein erweiterter, fest zugesicherter Einstellungskorridor für den Lehrernachwuchs. Statt der bisher geplanten 80 Neueinstellungen pro Jahr, wird das Land im Jahr 2008 zunächst 90, 2009 dann 100, 2010 120 und 2011 150 neue Stellen für junge Lehrer schaffen.

„Bildung hat Zukunft in Sachsen-Anhalt - das ist die Botschaft des Tages“, so Helmut Liebermann, Verhandlungsführer der dbb tarifunion. „Wir haben uns auf vertretbare Beschäftigungs- und Einkommensbedingungen für die tarifbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer des Landes geeinigt. Diese passen die Bildungsarbeit in Sachsen-Anhalt an die demografische Entwicklung an und machen sie zukunftsfest. Schülerinnen und Schüler können sich nun auch in den kommenden Jahren sicher sein, dass sie bestmöglich mit Unterricht versorgt werden. Für die Lehrerinnen und Lehrer haben wir verlässliche und solide Perspektiven geschaffen, auf deren Grundlagen sie sich voll und ganz ihrem wichtigen Job widmen können. Der fest zugesicherte erweiterte Einstellungskorridor für neue Lehrer im Schuldienst Sachsen-Anhalts ist ein weiterer Beleg für den hohen Stellenwert der Bildung im Land. Damit leisten die heute älteren Lehrerinnen und Lehrer durch weiteren Gehaltsverzicht einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Bildungswesens in Sachsen-Anhalt. Das hat Vorbildcharakter“, so Liebermann.

Maik Wagner, dbb Landesvorsitzender, zeigte sich nach dem monatelangen Konflikt ebenso erleichtert. „Der Kompromiss ist vertretbar und bringt Planungssicherheit für Lehrer, Schüler und Eltern. Die Erhöhung der Neueinstellungen trägt dem hohen Altersdurchschnitt an den Schulen Rechnung und ist ein wichtiges Signal gegen die Abwanderung junger, in Sachsen-Anhalt ausgebildeter Lehrerinnen und Lehrer.“

Hintergrund des neuen Anschlusstarifvertrags zum „Tarifvertrag Schulen Land Sachsen Anhalt“ von 2003 sind die unter anderem aufgrund des demografischen und strukturellen Wandels schwankenden Lehrer-Schüler-Relationen im Land. Ihretwegen wurden bereits 1997 und 2003 Tarifverträge mit ähnlichen Regelungsgegenständen abgeschlossen.