Verantwortung, Vertrauen und die Zukunft des Staates
dbb Sachsen-Anhalt diskutiert mit demokratischen Landtagsfraktionen über Verantwortung, Vertrauen und die Zukunft des Staates
Wenige Wochen vor der Landtagswahl hat der dbb beamtenbund und tarifunion Sachsen-Anhalt am 13. August 2026 Vertreter der demokratischen Landtagsfraktionen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Unter dem Leitmotiv „Deutschlands Stärke: Unser öffentlicher Dienst.“ stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie leistungsfähig muss unser Staat sein, damit die Menschen ihm und seinen demokratischen Institutionen vertrauen?
Die Ausgangslage ist ernst: Nach der dbb Bürgerbefragung 2026 trauen nur noch 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dem Staat zu, seine Aufgaben zuverlässig erfüllen zu können. Das Vertrauen in die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ist dagegen deutlich höher.
Für die Menschen wird der Staat vor allem im Alltag sichtbar: in Schulen und Bürgerämtern, bei Polizei und Justiz, in der Finanzverwaltung oder im Gesundheitsamt. Dort entscheidet sich, ob staatliches Handeln als verlässlich und handlungsfähig wahrgenommen wird. Ein Staat, der im Alltag nicht funktioniert, verliert Vertrauen – und damit langfristig auch Vertrauen in seine demokratischen Institutionen.
Auf dem Podium diskutierten Tobias Krull (CDU), Dr. Andreas Schmidt (SPD), Guido Kosmehl (FDP), Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen) und Thomas Lippmann (Die Linke) mit dem dbb und seinen Fachgewerkschaften unter der fachkundigen Moderation von der freien Journalistin Susann Böttcher. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Dienstes brachten ihre Erfahrungen aus der Praxis ein.
Unterschiedliche Wege – gemeinsame Verantwortung
Deutlich wurde: Die demokratischen Parteien erkennen grundsätzlich an, dass Sachsen-Anhalt einen leistungsfähigen Staat, eine funktionierende Verwaltung und einen attraktiven öffentlichen Dienst braucht. Unterschiede gibt es bei den politischen Antworten.
Die CDU setzt auf Sicherheit, Stabilität und einen starken Staat. Entscheidend ist aus Sicht des dbb, diesen Anspruch auch mit ausreichend Personal und notwendigen Reformen zu untersetzen.
Die SPD will unter anderem Steuerfahndung und Betriebsprüfung personell stärken. Entscheidend wird sein, ob zusätzliche Stellen tatsächlich geschaffen, besetzt und für die Beschäftigten spürbar werden.
Bündnis 90/Die Grünen setzen stark auf Digitalisierung. Für den dbb gilt dabei: Digitalisierung muss Beschäftigte entlasten, Verfahren beschleunigen und Bürgerinnen und Bürgern dienen – nicht neue Bürokratie schaffen.
Die FDP stellt Bürokratieabbau und Effizienz in den Mittelpunkt. Dabei darf ein schlankerer Staat nicht bedeuten, dass bestehende Aufgaben lediglich auf immer weniger Beschäftigte verteilt werden.
Die Linke betont gute Arbeitsbedingungen, soziale Gerechtigkeit und öffentliche Daseinsvorsorge. Dazu gehört auch die Frage, wie der öffentliche Dienst für junge Menschen wieder attraktiver werden kann.
Demokratie braucht eine handlungsfähige Verwaltung
Der öffentliche Dienst ist mehr als ein Dienstleister. Seine Beschäftigten sorgen dafür, dass demokratisch beschlossene Regeln rechtsstaatlich und verlässlich umgesetzt werden. Damit ist ein professioneller, verfassungstreuer und parteipolitisch neutraler öffentlicher Dienst eine tragende Säule unserer demokratischen Ordnung.
Gerade vor der Landtagswahl erwartet der dbb Sachsen-Anhalt deshalb von den demokratischen Parteien klare Antworten darauf, wie staatliche Institutionen unabhängig, rechtsstaatlich und handlungsfähig bleiben.
Vertrauen entsteht durch einen Staat, der funktioniert
Vertrauen lässt sich nicht beschließen. Die Menschen müssen erleben, dass Unterricht stattfindet, Verfahren zügig bearbeitet werden, Polizei und Justiz arbeitsfähig sind und Behörden erreichbar bleiben.
Dafür braucht es ausreichend Personal, moderne Strukturen, konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen und funktionierende Digitalisierung. Vor allem aber braucht es politische Entscheidungen, die nicht nur angekündigt, sondern umgesetzt werden. Die Beschäftigten erwarten keine Sonntagsreden, sondern Verlässlichkeit.
Die Podiumsdiskussion hat gezeigt, dass die demokratischen Parteien unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Doch eines muss sie verbinden: Wer nach der Landtagswahl Verantwortung für Sachsen-Anhalt übernehmen will, muss auch Verantwortung für die Funktionsfähigkeit seines öffentlichen Dienstes übernehmen.
Denn ein starker öffentlicher Dienst bedeutet funktionierende Schulen, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit, eine leistungsfähige Verwaltung und verlässliche öffentliche Daseinsvorsorge.
Wer den öffentlichen Dienst stärkt, stärkt den Staat. Wer den Staat handlungsfähig hält, stärkt das Vertrauen. Und wer Vertrauen stärkt, stärkt unsere Demokratie.
Deutschlands Stärke: Unser öffentlicher Dienst.







